"Wiener
Passion" von Lilian Faschinger
555 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
(September 1999)
ISBN-10: 3462028359
ISBN-13: 978-3462028355
Drei Lebensgeschichten, ein Roman.
Der hypochondrische, schrullige Gesangslehrer Josef Horvath lebt als Verehrer
des Komponisten Franz Schubert im selben Haus, in dem dieser verstorben ist.
Dort pflegt er seine Krankheiten und ist noch immer ein Gefangener seiner längst
verstorbenen Mutter, die ihn zu einem lebensunfähigen Mann erzogen hat.
Die farbige Sängerin Magnolia Brown, in deren Venen - so kurios es klingen mag -
auch böhmisches Blut fließt, kommt nach Wien um Gesangsunterricht zu nehmen. Sie wird
von ihrer schrulligen Tante just an Josef Horvath vermittelt.
Was am Anfang so aussieht, als wäre es eine kurze, professionelle Begegnung, entwickelt
sich doch zu einer schönen Romanze.
Magnolia findet in einer Kiste in der Wohnung ihrer Tante ein Heft mit den Aufzeichnungen
der Rosa Tichy. Diese sitzt im Jahr 1900 in der Todeszelle des Landesgerichtes Wien und wartet
auf ihre Hinrichtung als Verurteilte Gattenmörderin. Im Heft beschreibt sie ihren Werdegang vom
böhmischen Kind einer alleinstehenden Haushälterin bis zur Obdachlosen und Prostituierten in Wien.
Eine Lebensgeschichte mit einigen Höhen aber noch mehr Tiefen.
Onkel Toms Meinung:
Ich habe Wien schon lange nicht mehr so genossen.
In vielen Einzelheiten beschreibt Lilian Faschinger die Begegnungen von drei Menschen in dieser Stadt.
Wenn man selbst nicht hier geboren, ein "Zuagrasta" ist, dann kann man auch drüber schmunzeln, dass die Autorin
regelmäßig Spitzen in Richtung der für sie fremdenfeindlicher Wiener abfeuert. Nicht ausländerfeindlich sondern
eben feindlich auch gegenüber den "Gastarbeitern", seien sie aus Tirol, dem Burgenland oder eben den ehemaligen
Kronländern der Monarchie.
Freilich ist Sprache und Schreibstil Faschingers ein wenig gewöhnungsbedürftig. Jede Person, jeder Gegenstand wird
mit einer Vielzahl an adjektiven beschrieben. Sie genießt die indirekte Rede und macht oft über mehrere Seiten
keinen Absatz. Trotzdem klebte das Buch bald in meinen Händen und erst wenn der Schlaf die Leselust endgültig besiegte,
legte ich es weg. Einen herzlichen Dank an Heimo, der mir das Buch geliehen hat. Eine absolute Empfehlung!